Breakdance (B-Boying / B-Girling)

Zur Zeit der ersten Streetpartys, als DJs gesangslose, rein rhythmische Parts auf Schallplatten, sogenannte Breaks, sequenzierten und zu neuen Klangkollagen abmixten, entstand das B-Boying (auch Breakdance genannt). B-Boying ist ein wichtiges Element der Hip-Hop-Kultur, welches noch mehr als das DJing in den Hintergrund geriet. Wurde das Rappen zur verbalen Auseinandersetzung mit der Umwelt, so agierte das B-Boying mehr körperlich. Verschiedene Tänzergruppen, meist gegliedert nach Straßenabschnitten oder ähnlichem, traten in wüsten tänzerischen Kämpfen gegeneinander an. Bewusst wurde auf gewalttätige Konfrontationen verzichtet. Gewinner war die Gruppe oder Person mit der besten Körperbeherrschung und Kondition, da der Tanzstil und -ausdruck ausschlaggebend waren.

Die Wurzeln des B-Boying (so wurde Breakdance ursprünglicherweise genannt) reichen bis nach 1969 zurück. Voraussetzung für die Entstehung des B-Boying war die durch Kriminalität geprägte sozio-ökonomische Lage der Ghettos von New York. Der Tanz war eine Interpretation der Spannung und der Gewalt zwischen den städtischen Straßenbanden. Vorläufer des B-Boying war der nach James Browns Hit "Get on the good foot" benannte Good-Foot-Style. Die Tänzer ließen sich auf den Boden fallen, um sich dort zu drehen und passend zur Musik wieder hoch zu springen. Die spätere Bezeichnung "B-Boys" für die Tänzer - und somit "B-Boying" für den Tanz - soll auf den damals in New York sehr populären Kool DJ Herc zurückgehen, der die Tänzer B (wie Break)-Boys nannte, weil sie für ihre besonderen Aktionen die von den DJs ausgedehnten Instrumental-Breaks nutzten. Um 1976 formierten sich die ersten Tanzgruppen, wie bspw. die Zulu Kings oder die Rock Steady Crew. Zu diesem Zeitpunkt gewann der Battle als Wettbewerbsformat im B-Boying an Bedeutung. In einem Battle treten zwei Gruppen an, um gegeneinander zu tanzen. Der Battle ist heute fester Bestandteil des B-Boying. Die Breakdance-Kultur begreift sich aber als frei von Grenzen der Rasse, des Geschlechts oder des Alters.

Elemente des B-Boying (Breakdance) sind:

Top Rocking

Top Rocking beschreibt generell das Tanzen im Stand. Eine verwandte Form ist das Brooklyn Rocking/Battle Rocking (Ursprung in Brooklyn, NY): Hierbei „bekämpft“ man den Kontrahenten mit (oft herausfordernder) Gestik.

Uprocking

Uprocking entsteht durch drei aggressive Bewegungen gegen den Gegner. Die Bewegungen werden frei gewählt und enden immer am Boden. Mit dem Uprocking kommt man direkt von einem Toprock (Tanzen im Stand) in die Footworks.

Footworks

Footworks oder Downrocking sind Tanzschritte (Moves) am Boden.

  • Six-Step ist der Basis-Schritt für Footworks und damit essentielles Element für jedes Style Set. Variationen sind die weniger verbreiteten "Four-Steps" und "Eight-Steps."
  • Styles sind Kombinationen aus Footworks und Freezes. Je nach Belieben kann dabei auch auf Freezes verzichtet werden. Wichtig bei einem Style sind vor allem die Originalität des Sets und der Stil, mit dem dieser getanzt wird.
  • Legrider - Drehung um die eigene Achse auf einem Bein bzw. Knie.

Freezes

Freezes sind Posen, die der Tänzer einnimmt, indem er kurz in der Bewegung verharrt und dabei eine möglichst eindrucksvoll aussehende Figur macht. Damit schließt er seine Abfolge von Tanzschritten (Set) ab oder betont bestimmte Abschnitte in der Musik.

  • Baby Freeze/Turntable-Position – Der Basis-Freeze. Der Tänzer steht dabei horizontal mit einer Hand auf dem Boden. Der Ellbogen der Standhand befindet sich in der Beckengegend.
  • Air chair – Wie Baby Freeze, nur ist der Ellbogen am Rücken. Wegen des hohen Grads an Gelenkigkeit einer der schwierigsten und ästhetischsten der Freezes.
  • Air Freezes - Der Air Freeze ist im Prinzip ein Handstand auf einem Arm. Die Körperlage kann dabei variieren. Bspw. kann der Rücken zum Boden zeigen, aber auch die Seite. Einen Air Freeze, der besonders horizontal gehalten wird, nennt man auch Flag.
  • Hollowback: Ein Handstand, bei dem versucht wird, die Beine hinter dem Rücken so weit wie möglich zu Boden zu bringen. Anders ausgedrückt: Eine Brücke, wobei die Füße nicht den Boden berühren.

Powermoves

Powermoves sind die akrobatischen Elemente, (meist aber nicht unbedingt), die Drehungen um jede beliebige Achse einschließen. Die wichtigsten sind:

  • Backspin - Der erste Powermove überhaupt (vorher existierten nur Top- und Downrocks). Vom Prinzip her auch der einfachste. Man dreht sich auf dem Rücken.
  • Head Spin – das Rotieren auf dem Kopf.
  • Swipes – man steht auf Händen und Beinen am Boden mit dem Rücken nach unten und springt um seine Körperachse, wobei das Bein, das Schwung holt, den Boden nie berührt.
  • Airtwist, Twist oder Airflare – ist eine volle Umdrehung um die eigene Körperachse. Dabei steht man in einem schrägen Handstand und springt eine Umdrehung in der Luft, um wieder auf den Händen zu landen. Eine Variation des Airtwist ist der Elbow Track oder Elbow Twist, bei dem dieselbe Bewegung auf dem Ellbogen, anstelle der Hand gemacht wird.
  • Ninety Niners - eine Rotation auf einer Hand im einhändigen Handstan.
  • Two Thousand - wie Ninety Niners nur, dass man auf beiden Händen genau unter dem Kopf dreht.
  • Turtle - Der Tänzer befindet sich in der Turntable-Position und rotiert seinen Körper indem er von Arm zu Arm wechselt.
  • Windmills – Liegende Drehung um die eigene Achse, während die geöffneten Beine den Boden nicht berühren. Die Drehung erfolgt auf Schultern und oberem Rücken.
  • Flare – ist die gleiche Bewegung wie Flanken beim Turnen. Die gespreizten Beine umkreisen den sich auf den Händen haltenden Tänzer in geschwungener Weise.